Anaklasis / Introspektion

Anaklasis / Introspektion

Diplomarbeit an der HFF „Konrad Wolf“ Potsdam Babelsberg
Daniel G. Stephan
Beitrag vom 27.12.2020

„Anaklasis / Introspektion“
Daniel G. Stephan
Berlin 2012


Kapiteltitelbilder (Collagen)
Daniel G. Stephan

Eine Reise ins Unbekannte
mit Halt im Innern
Ankunft = Rückkehr

Aus dem Schlusswort:

Das Wort Anaklasis stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie “Brechung des Lichts”. In der Rhetorik wird damit die Beugung eines Wortes bei einer Wiederholung und einhergehender Sinnverschiebung beschrieben. Beiden Definitionen ist gemeinsam, dass etwas ausgehend von einem vermeintlich festem Punkt in dessen verschiedenste Bestandteile aufgeteilt wird.

In diesem Vorgang erkenne ich so etwas wie eine gegenläufige Montage, in welcher eine Anzahl von Elementen aus einer Einheit hervorgehen, die zuvor in Form dieser Einheit “unsichtbar” waren.

[…]

In der Montagekunst ist man sich selbst der bedeutendste Partner. Selbstverständlich negiert diese Aussage nicht die immens wichtige Zusammenarbeit z.B. von Regie und Editor in der Filmmontage. Jedoch muss man auf die eigene Wahrnehmung, das eigene Bauchgefühl, eben sein Selbst vertrauen, um die Substanz der montierten Elemente in ihrer neuen Bedeutungseinheit überhaupt erst definieren zu können. Daher orientieren sich die Ergebnisse der Anaklasis meines Geistes eben auch nur an diesem – dem Inneren. Sie orientieren sich an meinem Leben, meiner Sozialisation, meinen Gefühlen und Träumen, um in dieser Auseinandersetzung mit mir selbst die Art und Weise verstehen zu können wie und warum ich montiere. Diese Auseinandersetzung besteht im Wesentlichen aus dem Prozess der Anaklasis, die sich als künstlerisches Element in eine theoretisch textliche Form setzt, um dadurch ein eigenes Montagewerk zu schaffen, das sich in der Rezeption mit Mitteln der Montage dem unsichtbaren und unerreichbaren Geist des Montierenden nähert.

[…]

Durch die Gegenüberstellung der Montage-SciFi-Analogie des Haupttextes zu einem System von erdachten Zitaten entsteht die Möglichkeit einer Introspektion, die sich der Offenheit des kommunikativen Rezeptionsraumes zu Nutze macht. Durch die Streuung von gedanklichen Anschlusspunkten wird die Wesenheit der Ausgangseinheit greifbarer als die vermeintliche Konkretheit eines kausal-linear beschreibenden Textes es vermögen würde.

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